Bibliotheks-Tagebuch

Praktikum an einer Universitätsbibliothek

Schöne Grüße aus Franken!

Meine Reise begann bereits am Sonntag, den 30. November, einen Tag vor meinem ersten Praktikumstag. Vielleicht wisst ihr es bereits aus dem Zeitungsbericht damals im Monat, vielleicht nicht, aber ich komme ursprünglich aus der Nähe von Nürnberg, und meine Eltern wohnen dort nach wie vor. Und lieb wie sie mich haben, haben sie mich die zwei Wochen wieder bei sich aufgenommen. Zwar ist meine kleine Schwester in der Zwischenzeit in mein altes Zimmer gezogen, weswegen ich mir das Spielzimmer der
Katzen mit ihnen teilen musste, aber sind wir ehrlich, das war alles andere als eine Strafe xD

Am Montag begann dann nicht nur der Dezember, sondern auch mein Praktikum. In der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Zweigbibliothek in Nürnberg, einer der vier großen Zweigbibliotheken der FAU, wurden ich und meine Mitpraktikantinnen aus der Stadtbibliothek Nürnberg und der Bayerischen Staatsbibliothek München begrüßt und herumgeführt, bevor wir unsere erste Aufgabe erhielten: von Nutzer:innen bestellte Bücher aus den Regalen heraussuchen. Das gestaltete sich zu Beginn als ganz schöne Herausforderung für mich.

Wie ihr ja wisst, sind die Bücher bei uns alphabetisch nach dem Nachnamen der Autor:innen sortiert. Easy enough, right? Tja, das ist an der FAU ganz anders. Denn hier ist alles nach der Regensburger Verbund-klassifikation sortiert. Bedeutet, auf den Rückenschildern steht ein kryptischer Zahlen- und Buchstabensalat, den es erst einmal zu entziffern gilt. Dabei ist mir gleich zu Beginn ein Fehler unterlaufen, sodass ich Medien aus dem Präsenzbestand statt den ausleihbaren Lehrbüchern geholt habe. Trotzdem, sobald man den Dreh einmal raus hat, ist es gar nicht mehr so schwer, besonders wenn man jeden Tag damit zu tun hat.

In der ersten Woche lernten wir neben der WSZB auch noch die Technisch-naturwissenschaftliche und die Erziehungswissenschaftliche Zweigbibliothek kennen. An ersterer kamen wir das erste Mal mit der Fernleihe und dem Dokumentenlieferservice FAUdok in Berührung, was wir in der zweiten Woche an der Hauptbibliothek in Erlangen dann noch genauer kennenlernen durften. Die EZB war vor allem wegen
ihrer historischen Kinderbuchsammlung sehr eindrucksvoll und einprägsam und für mich eines der Highlights des gesamten Praktikums.

Die zweite Woche verbrachten wir in Erlangen an der Hauptbibliothek. Auch hier bekamen wir zu Beginn eine Führung, was aber nicht verhinderte, dass ich mich in den fünf Tagen mehrere Male auf der Suche nach bestimmen Abteilungen verlief :,) Zum Glück bilden die Lesesäle im öffentlich zugänglichen Bereich des Gebäudes einen großen Kreis um den Magazinturm in der Mitte, sodass man trotzdem immer wieder leicht dahin zurückfindet, wo man hergekommen ist... und dann eine neue Suche starten kann xD

Apropos Magazinturm, das war für mich mein
zweites Highlight. An einem Tag durften wir für ein paar Stunden im Magazindienst mithelfen. Dabei war es unsere Aufgabe, bestellte Medien, die im Magazin aufbewahrt werden, herauszusuchen und per Kistenaufzug in die Ausleihe zu schicken. Ich kann nicht mal genau erklären, warum mir das so viel Spaß gemacht hat. Ich würd's jetzt instinktiv in Richtung meines Autismus schieben, aber wer weiß.

Es gab noch ein weiteres Magazin in der alten Bibliothek gegenüber der großen Hauptbibliothek. Dort ist das ganz alte Zeug. Sowohl für die Augen, als auch für die Nase wahr es ein sehr beeindruckender Einblick; die Kombination der Gerüche nach altem Papier und echtem Tierleder, das damals noch für die Einbände von Büchern verwendet wurde, verfolgte uns auf unserer Tour durch das ganze Magazin.


Neben den vier Zweigbibliotheken gibt es noch unzählige weitere kleine Teil- und Lehrstuhlbibliotheken, die in ganz Erlangen und Nürnberg und teils auch außerhalb verteilt sind. Viele Lehrstuhlbibliotheken sind alte private Sammlungen von verstorbenen Dozent:innen und Professor:innen, die diese der Universität hinterlassen haben. Manche davon sind so klein und so versteckt gelegen, dass man sie wirklich ausschließlich dann findet, wenn man gezielt danach sucht. Wer in Erlangen unterwegs ist, wird mit
Sicherheit an mindestens einer solchen Bibliothek vorbeilaufen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Und
ich bin nicht sicher, wie ich das finde. Das klingt wie ein schlechter Abklatsch der Verschwörungstheorie, dass unter uns Aliens und Echsenmenschen wandeln, ohne dass wir es merken, nur dass es in diesem Fall Bibliotheken sind...

Worauf ich eigentlich hinaus wollte: Es ist so schon beinahe unmöglich, jede einzelne Kleinstbibliothek einmal zu besuchen, geschweige denn innerhalb eines zweiwöchigen Praktikums. Dennoch verbrachten wir einen ganzen Nachmittag damit, uns einige wenige der zahlreichen Teilbibliotheken anzusehen.
Darunter die TB 01 Theologie, die TB 04 Pädagogik, Philosophie und Psychologie, die TB 05 Politischen Wissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft und die TB 07 Neuere Sprachen, Theater- und Medienwissenschaften.

Und nein, ich wusste die Bezeichnungen nicht mehr alle auswendig xD

Und schneller als ich mich versehen konnte war auch schon wieder Freitag. Der letzte Freitag des Praktikums. Abschließende Aufgaben waren ein letztes Mal zurückgegebene Medien zurück in die Regale
räumen und im Zuge dessen nach vermissten Medien suchen. Medien, die eigentlich im Haus sein sollten, es bei der letzten Inventarisierung aber nicht waren. Die Suche war jedoch wenig erfolgreich, zu unser
aller Missfallen; keine von uns hat auch nur eins der vermissten Bücher finden können. 

Auf eine schöne Abschlusserinnerung mussten wir aber trotzdem nicht verzichten, denn wir durften noch einen kurzen Bericht über unser Erlebnis als Praktikant:innen für den internen Blog der Universitäts-
bibliothek verfassen. Und aus irgendeinem Grund hat uns in diesem Raum jegliche sanity verlassen. Wir hatten so Probleme, grammatikalisch richtige, höfliche, aber trotzdem nicht zu hochgestochen klingende Sätze zu bilden, dass wir uns teilweise über unsere eigenen Formulierungen komplett schepps gelacht haben. Irgendwie ist es uns dann aber doch noch gelungen, rechtzeitig vor unserem Abschlussgespräch
einen vernünftigen Text auf die Beine zu stellen. Klapprige Beine, sicherlich, aber er stand!


Abreise

Den Kopf voller neuer Informationen ging es dann für mich wieder nach Hause, wo ich jedoch keine Zeit zum Atmen bekam, sondern direkt in die Vorweihnachtszeit meiner eigenen Bibliothek geworfen wurde. Daher hat der Bericht auch ein wenig auf sich warten lassen.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich die Erfahrung genossen habe und nun auch die Dringlichkeit verstehe, während der Fami Ausbildung in einer wissenschaftlichen Bibliothek ein Praktikum zu absolvieren. Ich hätte nicht erwartet, dass die Arbeit sich so sehr von der in einer öffentlichen Stadtbibliothek
unterscheidet, aber das tut sie, und das war spannend zu erleben. Dennoch muss ich sagen, Neufahrn ist in den letzten anderthalb Jahren mein Zuhause geworden und meine Kolleginnen und Kollege zu einem Teil meines Lebens, den ich nicht missen möchte. Zumindest noch nicht. Was die Zukunft bringt? Das weiß wohl nur das Universum.

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